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Vitamine im Hundefutter: Was drin ist, woher es kommt, wann es kippt

Von Beytullah Coscun · · Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2026

Symbolbild: Vitamin-Weichkapseln in einer Glasschale – Symbolbild (KI-generiert)

Auf dem Etikett steht „Vitamin D3 1.000 IE“. Was nicht dort steht: woher das Vitamin kommt, wie viel die Zutaten noch mitbringen – und wie klein der Abstand zum Problem werden kann.

„Vitamin D3 1.000 IE“ – so steht es auf vielen Säcken Trockenfutter, und es klingt nach Fürsorge. Gemeint ist ein Zusatzstoff mit der EU-Nummer 3a671, hergestellt aus einem Vorprodukt, das meist aus Schafwollfett stammt, und gesetzlich gedeckelt bei 2.000 IE je Kilogramm Alleinfutter [3][6][8]. Vitamine im Hundefutter sind fast immer Industrieprodukte aus Synthese oder Fermentation – das ist kein Makel, aber man sollte es wissen.

Dieser Ratgeber zeigt, was ein Hund wirklich braucht, wie die Vitamine entstehen, was das Etikett zeigt und was nicht, und ab wann aus Bedarf ein Problem wird.

Die Grundlagen zu den einzelnen Zusatzstoffen stehen in unserem Zusatzstoffe-Ratgeber: Vitamin A, Vitamin D3, Vitamin E und Tocopherole. Hier geht es tiefer.

📌 Das Wichtigste in Kürze

  • Hunde brauchen die Vitamine A, D, E und die meisten B-Vitamine über das Futter. Vitamin C bilden sie selbst [1][5].
  • Für Vitamin D3 gilt ein gesetzlicher Höchstgehalt von 2.000 IE/kg Alleinfutter (12 % Feuchte). Er gilt für den Gesamtgehalt – auf dem Etikett steht aber meist nur die zugesetzte Menge [1][3].
  • Vitamin D3 wird aus 7-Dehydrocholesterin per UV-Licht hergestellt; das Cholesterin dafür stammt überwiegend aus Lanolin, dem Wollfett von Schafen [6][7][8].
  • Zu viel Vitamin D führt zu Kalziumablagerungen, vor allem in der Niere. Ein Gegengift gibt es nicht [9][10]. Zuletzt rief im Juni 2026 ein US-Anbieter Welpenmilch wegen schwankender Vitamin-D-Gehalte zurück [12].
  • Vitamin B1 (Thiamin) ist hitzeempfindlich. Seit 2009 gab es mehrere Rückrufe wegen zu wenig Thiamin [13].

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Herstellung und Stoffwechsel von Vitamin D3: vom Wollfett über Cholesterin und UV-Licht zum Vitamin, dann Leber, Niere und Kalziumhaushalt; bei Überdosis Kalziumablagerung in Niere, Herz, Lunge und Darm
Vitamin D3 vom Wollfett bis zur Niere. Quellen auf der Grafik: EFSA [6], EHPM/Food Supplements Europe [7][8], DVO 2017/1492 [3], Merck Veterinary Manual [9].

Welche Vitamine braucht ein Hund? Weniger, als die Packung vermuten lässt

Die europäische Heimtierfutterindustrie veröffentlicht in den FEDIAF-Leitlinien Mindestwerte für Alleinfutter. Sie beziehen sich auf 100 g Trockenmasse und hängen vom Energiebedarf ab: Ein ruhiger Hund frisst weniger, also muss jedes Gramm mehr enthalten [1]. Biotin und Vitamin K haben dort keinen Mindestwert. Sie müssen laut FEDIAF nur zugesetzt werden, wenn das Futter antimikrobielle oder antivitaminwirksame Stoffe enthält [1]. Vitamin C fehlt ganz – nach EFSA ist es nur für Primaten, Meerschweinchen und Fische lebensnotwendig [5].

Vitamin Mindestwert je 100 g TM, Hund ausgewachsen (95 kcal/kg^0,75) dto. (110 kcal/kg^0,75) Höchstwert
Vitamin A 702 IE 606 IE 40.000 IE (ernährungsphysiologisch)
Vitamin D 63,9 IE 55,2 IE 227 IE (gesetzlich), 320 IE (ernährungsphysiologisch)
Vitamin E 4,17 IE 3,6 IE –
Thiamin (B1) 0,25 mg 0,21 mg –
Riboflavin (B2) 0,69 mg 0,60 mg –
Pantothensäure (B5) 1,64 mg 1,42 mg –
Vitamin B6 0,17 mg 0,15 mg –
Vitamin B12 3,87 µg 3,35 µg –
Niacin (B3) 1,89 mg 1,64 mg –
Folsäure 29,9 µg 25,8 µg –
Cholin 189 mg 164 mg –

Quelle: FEDIAF Nutritional Guidelines 2025, Tab. III-3a [1]. TM = Trockenmasse.

Zum Vergleich: Für Vitamin A liegt der ernährungsphysiologische Höchstwert rund 66-mal über dem Mindestwert, bei Vitamin D nur knapp 6-mal (eigene Berechnung aus [1]). Großzügig ist das nicht. Eher schmal.

Balkendiagramm: Mindestwert, gesetzlicher Höchstgehalt, ernährungsphysiologischer Höchstwert und Effektschwelle für Vitamin A und D in IE je 100 g Trockenmasse
Vitamin A und D: Zwischen Bedarf und Grenze liegt bei D nur ein Faktor von etwa 6. Quelle: FEDIAF 2025 [1], DVO 2017/1492 [3].

Woher die Vitamine kommen: Chemiewerk, Gärtank, Schafweide

Das Wort „natürlich“ hilft hier nicht weiter. Die EU-Zulassungen der Kategorie 3a beschreiben für jedes Vitamin, wie es entsteht – und das liest sich wie ein Lehrbuch der Verfahrenstechnik [2].

  • Vitamin A (3a672a, Retinylacetat): chemische Synthese. Die Zulassung begrenzt den Rückstand Triphenylphosphinoxid auf 100 mg/kg Zusatzstoff [2][4].
  • Vitamin D3 (3a671): Laut EFSA entsteht es, indem 7-Dehydrocholesterin mit UV-Licht bestrahlt und mild erwärmt wird; das entstandene Harz wird nicht weiter gereinigt [6]. Die Zulassung verlangt mindestens 80 % Reinheit, höchstens 7 % Tachysterol und erlaubt die Zugabe nur als Vormischung [3]. Das Ausgangscholesterin wird laut Branchenverband EHPM aus Wollfett isoliert, der Rohstoff kommt überwiegend aus China [7].
  • Vitamin E: 3a700 ist all-rac-α-Tocopherylacetat aus chemischer Synthese (1 mg = 1 IE). Die Variante 3a700ii ist die RRR-Form, laut Zulassung „chemisch synthetisiert aus pflanzlichen Ölen“ (1 mg = 1,36 IE) [2].
  • Vitamin B2: Fermentation, etwa mit dem Pilz Ashbya gossypii (3a825i) oder Bacillus subtilis (3a825ii) [2].
  • Vitamin B12: Fermentation mit dem Bakterium Ensifer adhaerens (3a835, 3a836). Beide Zulassungen setzen einen Grenzwert für Endotoxine [2].
  • Niacinamid (3a315) und Calciumpantothenat (3a841): chemische Synthese [2].

Transparent ist das allemal – nur steht es nicht auf dem Sack, sondern im Amtsblatt.

Tabelle: Herstellungswege von Vitamin A, D3, E, B2, B12, Niacinamid und Pantothenat laut EU-Zulassung mit Auflagen und Rechtsakten
Herstellungswege laut EU-Zulassung (Auswahl). Quelle: BVL-Liste Kategorie 3a [2].

Was das Etikett zeigt – und was nicht

Vitamine erscheinen auf dem Etikett unter „Zusatzstoffe“ oder „Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe“, oft mit Kennnummer: „Vitamin D3 (3a671) 1.000 IE“. Pflicht ist die Angabe mit Menge nach Anhang VII Kapitel I Nr. 1 der VO (EG) 767/2009 unter anderem für Zusatzstoffe, für die bei mindestens einem nicht der Lebensmittelgewinnung dienenden Tier ein Höchstgehalt festgesetzt ist [4]. Das trifft auf Vitamin D3 zu [3] und auch auf Vitamin A: Für Säugetiere gilt in Milchaustauschfuttermitteln ein Höchstgehalt von 25.000 IE/kg [2]. Wird Vitamin A zugesetzt, muss es also mit Menge auf dem Etikett stehen.

Die Zulassung lief formal bis 26.05.2025; laut BVL ist die Verlängerung beantragt, und fällt die Entscheidung aus Gründen, die der Antragsteller nicht zu vertreten hat, nicht rechtzeitig, gilt die Zulassung bis dahin automatisch weiter [2][19]. Für Vitamin E gibt es keinen Höchstgehalt; nach unserer Lesart muss es nur angegeben werden, wenn es hervorgehoben wird – freiwillig genannt, dann aber mit Menge (Nr. 4, 7 und 8) [4]. Details stehen im Zusatzstoffe-Ratgeber unter Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe auf dem Etikett.

Drei Dinge zeigt das Etikett nicht:

  1. Den Eigengehalt der Zutaten. Leber, Fisch und Eigelb bringen Vitamin A und D mit. Der angegebene Wert ist meist nur der Zusatz. Laut Anhang VII Nr. 2 dürfen Hersteller stattdessen den Gesamtgehalt über die Haltbarkeit angeben – müssen es aber nicht [4].
  2. Die Herkunft. Ob das D3 aus Wollfett stammt, muss niemand verraten.
  3. Den Verlust bis zum Napf. Thiamin ist hitzeempfindlich [13]. Wer die Menge „bei Herstellung“ angibt, sagt nichts über den Inhalt nach 18 Monaten im Lager.

Ehrlich deklariert, wer Kennnummer, Menge und Bezugsbasis nennt. Das tun erfreulich viele der von uns getesteten Futter (siehe Vitamine in unseren Tests).

Vitamin D: Wenn der Kalziumhaushalt entgleist

Vitamin D3 wird in der Leber zu 25-Hydroxy-D3 (Calcifediol) und in der Niere zu 1,25-Dihydroxy-D3 (Calcitriol) umgebaut. Das aktive Hormon steigert die Aufnahme von Kalzium und Phosphor aus dem Darm, hält Kalzium in der Niere zurück und mobilisiert es aus dem Knochen [9]. Zu viel davon heißt: zu viel Kalzium im Blut. Das Mineral lagert sich dann in Weichgewebe ab – meist in der Niere, aber auch in Herz, Lunge und Magen-Darm-Trakt [9].

Das Merck Veterinary Manual nennt klinische Zeichen ab etwa 0,1 mg pro kg Körpergewicht und Weichgewebsverkalkung oberhalb von 0,5 mg/kg [9]. Anzeichen sind Schwäche, Appetitlosigkeit, Erbrechen, vermehrtes Trinken und Urinieren. Ein Gegengift gibt es nicht; wegen der langen Halbwertszeit kann die Behandlung Wochen dauern [9]. Diese Werte stammen aus Vergiftungen mit Ködern, also aus einmaliger Aufnahme.

Bei Futter geht es um die tägliche Dosis. Die FEDIAF-Leitlinien verweisen auf Studien an Doggenwelpen: Schon 435 IE je 100 g Trockenmasse beeinflussten die Kalziumaufnahme und können Verknöcherungsstörungen begünstigen [1]. Das ist weniger als das Doppelte des gesetzlichen Höchstgehalts (eigene Berechnung). Großwüchsige Welpen sind daher die empfindlichste Gruppe.

💡 Merke

  • Aktives Vitamin D steigert die Kalziumaufnahme. Zu viel davon heißt: zu viel Kalzium im Blut, das sich meist in der Niere ablagert [9].
  • Ein Gegengift gibt es nicht; die Behandlung kann Wochen dauern [9].
  • Die Schwellen aus Vergiftungsfällen gelten für einmalige Aufnahme. Beim Futter zählt die tägliche Dosis.
  • Großwüchsige Welpen sind die empfindlichste Gruppe [1].

Auch zu wenig schadet. Welpen, die über Wochen zu wenig Vitamin D bekommen, können laut einer FDA-Rückrufmeldung Rachitis entwickeln: weiche, verformte Knochen, geschwollene Gelenke, Lahmheit [12].

Die Rechnung zeigt: Bei korrekt gemischtem Futter liegt die Tagesdosis mehr als hundertfach unter der Schwelle für klinische Zeichen (eigene Berechnung). Das Risiko ist der Fehler in der Vormischung. Genau das ist mehrfach passiert – mehr dazu unter Was viele Halter nicht wissen.

Vitamin A: Die Leber vergisst nichts

Vitamin A wird als Retinylester in den Sternzellen der Leber gespeichert [14]. Hunde haben dabei einen Vorteil gegenüber vielen anderen Tieren: Sie scheiden überschüssiges Vitamin A mit dem Urin aus – bei Beagles 15 bis 63 % der Aufnahme [14]. Eine Überdosierung tritt laut dieser Übersicht erst bei sehr hohen Mengen auf, über 90 mg Retinol je kg Körpergewicht über längere Zeit [14]. Die Autoren arbeiten bei BASF, einem Vitaminhersteller; das gehört zur Einordnung dazu.

Das MSD Veterinary Manual nennt einen Bedarf von 3.333 IE/kg Futter und hält bis 333.300 IE/kg für sicher [15]. Vergiftungen sind beim Hund selten und kommen eher von Lebertran oder großen Mengen Leber als vom Fertigfutter [15][16]. Die Folgen sind dann ernst: Knochenwucherungen an Hals- und Brustwirbeln, Gelenksteife, Schmerzen. Diese Knochenveränderungen bilden sich nicht zurück [16].

Die FEDIAF-Obergrenze von 40.000 IE je 100 g Trockenmasse beruht unter anderem auf Fütterungsversuchen mit Welpen, die von der Heimtierfutterindustrie unterstützt wurden [1].

Vitamin E und Vitamin K: Der Bedarf wächst mit dem Fischöl

Vitamin E schützt Fettsäuren in den Zellmembranen vor Oxidation. Laut FEDIAF steigt der Bedarf mit dem Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, besonders aus Fischöl [1]. Wer also Lachsöl zufüttert, erhöht den Bedarf an Vitamin E (siehe unser Ratgeber Lachsöl für Hunde). Im Futter steckt Vitamin E oft doppelt: als Nährstoff 3a700 und als Antioxidans in Form von Tocopherolen, die das Futterfett frisch halten (Tocopherole).

Vitamin K bilden Darmbakterien. FEDIAF nennt keinen Mindestwert und empfiehlt eine Zugabe nur bei antimikrobiellen oder antivitaminwirksamen Stoffen im Futter [1].

B-Vitamine: Der Mangel kommt aus der Fabrik

Bei den B-Vitaminen ist das Problem selten zu viel – sie sind wasserlöslich. Problematisch ist zu wenig. Eine Übersicht in JAVMA zählte für die Jahre 2009 bis 2013 fünf Rückrufe von Heimtierfutter wegen Thiaminmangel; betroffen waren vor allem Katzen [13]. Thiamin wird durch Hitze bei der Herstellung abgebaut [13].

Das MSD Veterinary Manual nennt als Ursachen unzureichend formulierte Fertigfutter, vegetarische Rationen, mit Schwefeldioxid (Sulfit) haltbar gemachtes Futter und rohen Fisch, der das thiaminabbauende Enzym Thiaminase enthält [17]. Ein Thiaminmangel zeigt sich bei Hunden mit Appetitlosigkeit, Lähmungen der Hinterbeine, Krampfanfällen – und kann tödlich enden [17]. Für Rohfütterer heißt das: Roher Fisch nicht täglich und nicht in großen Mengen, Sulfit-Fleisch gar nicht.

Tierschutz: Was hinter den Zahlen steht

🐾 Tierschutz

Jeder Mindest- und Höchstwert in den Tabellen beruht auf Fütterungsversuchen, oft mit Hunden. Die FEDIAF-Leitlinien nennen für Vitamin D Studien an Doggenwelpen, bei denen eine erhöhte Dosis die Kalziumaufnahme beeinflusste und Verknöcherungsstörungen begünstigen kann [1], und für Vitamin A Welpenstudien mit hohen Gaben [1]. Diese Versuche sind veröffentlicht und in der Wissenschaft üblich. Sie sind auch der Grund, warum wir heute wissen, wo die Grenzen liegen. Die Tiere dafür hat niemand gefragt. Wer Futter nach den bekannten Werten mischt, sorgt wenigstens dafür, dass diese Versuche nicht wiederholt werden müssen.

Der zweite Punkt ist der Rohstoff. Vitamin D3 stammt überwiegend aus Wollfett [7][8]; bei der Einfuhr von Nahrungsergänzungsmitteln behandelt die EU dieses D3 seit 2021 als Erzeugnis tierischen Ursprungs [8]. Wie die Schafe gehalten werden, deren Wolle das Fett liefert, ist für Futterkäufer nicht nachvollziehbar. Ein Kennzeichen dafür gibt es nicht.

Was viele Halter nicht wissen

⚠ Achtung

1. Die Grenze gilt für die Summe, das Etikett zeigt oft nur den Zusatz. Der gesetzliche Höchstgehalt für Vitamin D3 umfasst laut FEDIAF auch das Vitamin aus den Zutaten, sobald D3 zugesetzt wird [1]. Bei einem Futter mit viel Fisch oder Leber kann der Gesamtgehalt daher über dem angegebenen Zusatz liegen. Wie weit, steht nirgends.

2. Die Analytik hat Grenzen. Laut FEDIAF-Leitlinien ist die Vitamin-D-Analyse bei Gehalten nahe dem Mindestwert (500 bis 1.000 IE/kg Trockenmasse) schwierig und unzuverlässig; die Nachweisgrenze von HPLC-Methoden liegt danach bei etwa 3.000 bis 5.000 IE/kg [1] – also über dem gesetzlichen Höchstgehalt von 2.000 IE/kg. Mit solchen Methoden lässt sich ein normal dosiertes Futter kaum nachmessen, eine Überdosierung um ein Vielfaches dagegen schon. Welche Verfahren Untersuchungslabore heute einsetzen, sagt die Leitlinie nicht.

3. Fehler passieren in der Vormischung – und betreffen dann viele. Ende 2018 warnte die US-Behörde FDA vor mehreren Trockenfuttern verschiedener Marken mit zu viel Vitamin D, hergestellt bei einem gemeinsamen Lohnhersteller [11]. Am 31.

Januar 2019 folgte der Rückruf von Dosenfutter eines großen Herstellers, im März und Mai 2019 auf weitere Chargen ausgeweitet; Ursache war laut Unternehmensmeldung ein Fehler eines Zulieferers („supplier error“) [10][11]. Im Juni 2026 rief ein US-Anbieter Welpenmilch zurück, weil der Vitamin-D-Gehalt schwankte – teils zu niedrig, teils zu hoch [12]. Gerade Welpen, die mit Ersatzmilch aufgezogen werden, haben keine andere Nahrungsquelle.

4. Warnzeichen. Die FDA nennt bei Vitamin-D-Überdosierung: Erbrechen, Appetitlosigkeit, vermehrtes Trinken und Urinieren, Speicheln und Gewichtsverlust; im schweren Fall Nierenversagen und Tod [11]. Wer das nach einem Futterwechsel beobachtet, sollte mit der Packung (Chargennummer!) zum Tierarzt gehen.

5. Ergänzungsfutter addiert sich. Ein Alleinfutter deckt den Bedarf bereits. Jedes Vitaminpräparat, jeder Lebertran und jeder Snack mit Vitaminzusatz kommt obendrauf. Laut Merck Veterinary Manual fressen Kleintiere häufig Vitaminpräparate für Menschen, und die meisten Multivitamine enthalten Vitamin D3 [18]. Die Dose gehört also nicht auf den Couchtisch.

Vitamine in unseren Tests

Die folgenden Werte stammen aus unseren Testberichten (Etikettangaben je kg Futter, wie dort zitiert). Alle Trockenfutter bleiben beim zugesetzten D3 unter dem Höchstgehalt.

Test Vitamin A (zugesetzt) Vitamin D3 (zugesetzt)
Happy Dog NaturCroq Lamm & Reis 15.000 IE (3a672a) 950 IE (3a671)
Royal Canin Mini Adult 15.800 IE 1.000 IE
bosch HPC Adult Lamm & Reis 12.000 IE 1.200 IE
Wolfsblut Wild Duck Adult 21.871 IE* 1.471 IE*
Bugbell BellyVital 20.000 IE 1.500 IE (Vitamin E 200 mg)
Josera Festival 22.600 IE 1.700 IE

*Herstellerdeklaration je kg für Wild Duck Adult, ebenso für Wide Plain Adult und Dark Forest Adult (Herstellerseiten wolfsblut.com, abgerufen Oktober 2026) [20]. Die Puppy-Sorten weichen ab.

Bei Nassfutter sieht es anders aus. Im Test animonda GranCarno Adult Rind + Entenherzen ist Vitamin D3 deklariert, Vitamin A und E nicht. Bei mehreren Sorten von Tierliebhaber, etwa Ente mit Reis, ist Vitamin A nicht deklariert. Im Test Ziege mit Pastinake halten wir fest: kein Vitamin A zugesetzt, Gehalt aus Leber unbekannt. Wird kein Vitamin A zugesetzt, muss auch keines deklariert werden – der Eigengehalt der Zutaten steht dann aber auf keinem Etikett. Leber im Napf, Zahl im Nebel.

Bei Ergänzungsfutter lohnt der Blick auf die Menge je kg: Die Tierliebhaber Haut & Fell Drops enthalten laut Deklaration 93.000 IE Vitamin A (3a672a) und 2.000 mg Vitamin E je kg, die Canina PETVITAL GAG Tabletten 10.000 mg Vitamin E (3a700) je kg. Wie viel davon beim Hund ankommt, hängt von der Fütterungsempfehlung ab – diese sollte man einhalten, wenn ein Alleinfutter bereits Vitamine liefert.

Checkliste: Vitamine im Hundefutter prüfen

✅ Checkliste

  • ☐ Ist das Futter ein Alleinfuttermittel? Dann deckt es den Bedarf; zusätzliche Vitamine nur nach tierärztlichem Rat.
  • ☐ Stehen Kennnummer und Menge (z. B. „Vitamin D3 (3a671) 1.200 IE/kg“) auf dem Etikett?
  • ☐ Bei viel Leber oder Fisch: Der tatsächliche Gehalt an Vitamin A und D kann über dem Zusatz liegen.
  • ☐ Ergänzungsfutter zusammenzählen: Präparat + Snack + Öl + Alleinfutter.
  • ☐ Großwüchsige Welpen: Kein zusätzliches Vitamin D und kein Kalzium ohne tierärztliche Rücksprache.
  • ☐ Rohfütterung: Roher Fisch nicht als Hauptbestandteil; kein mit Sulfit konserviertes Fleisch.
  • ☐ Packung aufheben, bis sie leer ist – die Chargennummer zählt bei einem Rückruf.

Fazit

„Vitamin D3 1.000 IE“ klingt nach Fürsorge und ist zunächst nur eine Zahl für den Zusatz – was Leber und Fisch mitbringen, steht nicht daneben. Alle Trockenfutter in unseren Tests bleiben beim zugesetzten D3 unter dem Höchstgehalt von 2.000 IE/kg [3]. Das Risiko liegt nach unserer Einschätzung weniger im korrekt gemischten Sack als im Fehler in der Vormischung und im gut gemeinten Extra: Ein Alleinfutter deckt den Bedarf bereits, jedes Ergänzungsfutter kommt obendrauf. Wer zusätzlich Vitamine gibt, klärt das besser mit der Tierarztpraxis. Mehr ist hier nicht mehr.

Häufige Fragen

Braucht mein Hund zusätzliche Vitamine? Bei einem Alleinfutter in der Regel nicht. Es muss den Bedarf decken; Zusätze addieren sich nur [1][4].

Sind synthetische Vitamine schlechter als natürliche? Für die Wirkung zählt die chemische Form. Beim Vitamin E rechnet die EU unterschiedlich: 1 mg der synthetischen all-rac-Form entspricht 1 IE, 1 mg der RRR-Form 1,36 IE [2].

Ab wann ist Vitamin D für Hunde gefährlich? Klinische Zeichen sind laut Merck Veterinary Manual ab etwa 0,1 mg (4.000 IE) je kg Körpergewicht bei einmaliger Aufnahme möglich [9]. Bei Doggenwelpen beeinflussten dauerhaft 435 IE je 100 g Trockenmasse die Kalziumaufnahme und können Verknöcherungsstörungen begünstigen [1].

Ist Vitamin D3 im Hundefutter vegan? In der Regel nicht. Das Ausgangsprodukt stammt überwiegend aus Wollfett vom Schaf [7][8].

Warum steht auf manchen Nassfuttern kein Vitamin A? Deklariert werden muss zugesetztes Vitamin A. Ist keines zugesetzt, etwa weil Leber in der Rezeptur ist, fehlt die Angabe – den Eigengehalt der Zutaten muss niemand angeben [4].

Bildnachweise

  • Lanolin: Harmid, „Lanolinezalf – detail“, gemeinfrei (Public Domain), commons.wi… (verkleinert)
  • Leber: Javier Lastras, „Raw veal liver, 2010“, CC BY 2.0 (creativeco…), commons.wi… (in WebP umgewandelt)
  • Vitamin-E-Kapseln: Tamorlan, „Vitamina E (suplemento) 095“, CC BY 3.0 (creativeco…), commons.wi…)_095.jpg (verkleinert)
  • Grafiken: Futterprüfer.de, Quellen jeweils auf der Grafik

Quellen

Stand: 16.10.2026

  1. FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, September 2025 (Tab. III-3a mit Fußnoten zu Vitamin A, D, E, Biotin, K, Gesamtgehalt und Analytik). europeanpe…
  2. BVL: Futtermittelzusatzstoffe – Vitamine, Provitamine und chemisch definierte Stoffe mit ähnlicher Wirkung (Kategorie 3a), Stand Juli 2026 (3a672a mit Vermerk „V“: Verlängerungsantrag nach Art. 14 VO 1831/2003 gestellt), mit DVO (EU) 2015/724 (Vitamin A; Höchstgehalt Säugetiere, nur Milchaustauschfuttermittel: 25.000 IE/kg), 2019/901, 2022/1249, 2023/341, 2024/3167. bvl.bund.d…
  3. Durchführungsverordnung (EU) 2017/1492 (Cholecalciferol als Futtermittelzusatzstoff). legislatio…
  4. Verordnung (EG) Nr. 767/2009, Anhang VII Kapitel I (in der Fassung der VO (EU) 2017/2279 und 2018/1903), Nr. 1, 2, 4, 7, 8. eur-lex.eu…
  5. EFSA FEEDAP (2013): Scientific Opinion on the safety and efficacy of vitamin C for all animal species. EFSA Journal 11(2):3104. efsa.europ…
  6. EFSA FEEDAP (2014): Scientific Opinion on the safety and efficacy of vitamin D3 for all animal species. EFSA Journal 12(2):3568. efsa.europ…
  7. EHPM: Contribution to the feedback mechanism on the draft delegated regulation on border controls for food (2021). ehpm.org/w…
  8. Food Supplements Europe: Guidelines relating to the manufacturing and imports of food supplements containing products of animal origin, with a particular focus on Vitamin D3. foodsupple…
  9. Merck Veterinary Manual: Cholecalciferol (Vitamin D3) Poisoning in Animals, Nov. 2025. merckvetma…
  10. U.S. FDA: Rückrufmeldung Dosenfutter für Hunde wegen überhöhten Vitamin D (31.01.2019, erweitert März und Mai 2019). fda.gov/sa…
  11. U.S. FDA: Vitamin D Toxicity in Dogs; FDA Alerts Pet Owners about Potentially Toxic Levels of Vitamin D in Several Dry Pet Foods (Dez. 2018). fda.gov/an… ; fda.gov/an…
  12. U.S. FDA: Company Announcement – Rückruf von Welpen-Milchaustauschern wegen schwankender Vitamin-D-Gehalte, 25.06.2026. fda.gov/sa…
  13. Markovich JE, Heinze CR, Freeman LM (2013): Thiamine deficiency in dogs and cats. JAVMA 243(5):649–656. doi.org/10…
  14. Shastak Y, Pelletier W (2024): Pet Wellness and Vitamin A: A Narrative Overview. Animals 14(7):1000 (Autoren: BASF SE). doi.org/10…
  15. MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals. msdvetmanu…
  16. VCA Animal Hospitals: Vitamin A Toxicosis in Dogs. vcahospita…
  17. MSD Veterinary Manual: Nutritional Disorders of the Spinal Column and Cord in Animals (Thiaminmangel). msdvetmanu…
  18. Merck Veterinary Manual: Toxicoses in Animals From Human Multivitamins and Supplements. merckvetma…
  19. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung, Art. 14 Abs. 4 (automatische Verlängerung bis zur Entscheidung über die Erneuerung). legislatio…
  20. Wolfsblut: Produktseiten Adult Wild Duck, Adult Wide Plain, Adult Dark Forest (Deklaration ernährungsphysiologische Zusatzstoffe), abgerufen Oktober 2026. wolfsblut.… ; wolfsblut.… ; wolfsblut.…

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