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Lachsöl für Hunde: Was im Öl steckt, was auf dem Etikett fehlt

Von Beytullah Coscun · · Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2026

Symbolbild: Runde Netzgehege einer Lachsfarm in einer Meeresbucht vor Bergkulisse

Für Futteröl gilt ein rund dreimal so hoher Dioxin-Höchstgehalt wie für Fischöl, das Menschen kaufen. Was das für die Flasche im Hundenapf heißt – und woran Sie gutes Öl erkennen.

Für Fischöl, das als Futtermittel verkauft wird, erlaubt das EU-Recht 20 Nanogramm Dioxine und dioxinähnliche PCB pro Kilogramm. Für Fischöl, das an Menschen verkauft wird, sind es 6 [1][2]. Lachsöl für Hunde kann also legal deutlich stärker belastet sein als die Kapsel im Badezimmerschrank – ob es das tatsächlich ist, verrät das Etikett nicht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Lachsöl entsteht, welche Schadstoffe und Oxidationswerte zählen, wie viel EPA und DHA ein Hund braucht, was die Deklaration verschweigt und was hinter der Lachszucht steckt.

Das Wichtigste in Kürze - Für Fischöl im Futter gelten eigene Höchstgehalte nach Richtlinie 2002/32/EG. Bei Dioxinen und dioxinähnlichen PCB liegen sie über denen für Fischöl im Lebensmittelbereich (VO (EU) 2023/915) [1][2].
- Raffination und Kurzweg- bzw. Molekulardestillation können Dioxine und PCB stark verringern [11][13]. Ob ein Öl so behandelt wurde, muss nicht auf dem Etikett stehen.
- Ranzigkeit misst man mit Peroxidzahl, Anisidinzahl und TOTOX. Die freiwillige Industrienorm GOED nennt als Obergrenzen 5, 20 und 26 [6]. Pflicht ist keiner dieser Werte.
- Laut NRC liegt die sichere Obergrenze für EPA + DHA beim Hund bei 370 mg je kg Körpergewicht hoch 0,75 – für einen 10-kg-Hund rund 2.080 mg am Tag, alles Futter eingerechnet [18].
- 2025 starben in Norwegen 14,2 % der Zuchtlachse in der Meeresphase, rund 55 Millionen Tiere [22].

Herstellungsweg von Lachsöl in sechs Stationen von den Verarbeitungsresten über Rohöl, Raffination und optionale Molekulardestillation bis zur Abfüllung

Grafik: Futterprüfer.de

Inhalt

  1. Woraus Lachsöl gemacht wird

  2. Zuchtlachs oder Wildlachs?

  3. Raffiniert, destilliert, „naturbelassen“

  4. Schwermetalle, Dioxine, PCB: die Grenzwerte

  5. Was Behörden und Studien gefunden haben

  6. Ranziges Öl: Peroxidzahl, Anisidinzahl, TOTOX

  7. EPA, DHA und die richtige Menge

  8. Zu viel des Guten: dokumentierte Risiken

  9. So versteckt sich Lachsöl in der Deklaration

  10. Siegel und Zertifikate: was sie prüfen

  11. Tierschutz: Was der Lachs vor dem Öl erlebt

  12. Checkliste: 5 Punkte vor dem Kauf

  13. Häufige Fragen

  14. Quellen

Woraus Lachsöl gemacht wird: aus dem, was vom Filet übrig bleibt

Lachsöl wird in der Regel nicht aus dem Filet gepresst, sondern aus Verarbeitungsresten: Köpfe, Innereien, Gräten mit anhaftendem Fleisch, Haut, Flossen und Abschnitte [12]. Das ist kein Makel. Es ist Resteverwertung, und die gilt in der Fachliteratur ausdrücklich nicht als „Abfall“, sondern als wertvoller Rohstoff [12].

Das Grundverfahren ist schlicht. In einer Studie zu Ölen aus Fischresten wurde die Rohware gemahlen, 12 Minuten bei 95 °C gekocht, in einer Schneckenpresse gepresst und in einer Dekanterzentrifuge in Fischmehl, Wasser und Öl getrennt [12]. Heraus kommt Rohöl. Es enthält freie Fettsäuren, Phospholipide, Farbstoffe und Geruchsstoffe – und alles, was der Fisch zu Lebzeiten an fettlöslichen Umweltgiften eingelagert hat [12][13].

Gerade dieser letzte Punkt ist der Haken. Dioxine und PCB sind fettliebend und schwer abbaubar, sie reichern sich in der Nahrungskette an [8][13]. Wer Fett vom Fisch abschöpft, schöpft sie mit. Das Öl ist also zunächst so sauber wie das Meer, aus dem der Fisch kam. Nicht sauberer.

Die Bayerische Lebensmittelüberwachung formulierte es schon 2004 nüchtern: Fischöle können „nicht unerhebliche Gehalte an fettlöslichen und schwer abbaubaren Kontaminanten aufweisen“, diese lassen sich aber „durch aufwändige technische Verfahren (z. B. Molekulardestillation) weitgehend entfernen“ [13]. Zwischen diesen beiden Halbsätzen liegt der ganze Unterschied zwischen gutem und schlechtem Öl.

Zuchtlachs oder Wildlachs? Beides hat seinen Preis

Die Frage klingt nach einer klaren Antwort. Es gibt keine. Eine viel zitierte Untersuchung in Science analysierte 2004 über zwei Tonnen Zucht- und Wildlachs aus aller Welt und fand in Zuchtlachs signifikant höhere Gehalte an Organochlorverbindungen, in europäischem Zuchtlachs die höchsten [15]. Dieselbe Arbeitsgruppe fand bei Metallen ein gemischtes Bild: Organisches Arsen war im Zuchtlachs höher, Kobalt, Kupfer und Cadmium im Wildlachs; keiner der Werte überschritt die US-Grenzwerte [16].

Seitdem hat sich das Futter der Zuchtlachse verändert. Die norwegische Lebensmittelaufsicht sammelte von 1999 bis 2011 über 2.300 Proben von norwegischem Zuchtlachs; Quecksilber, Arsen, Dioxine, dioxinähnliche PCB und DDT gingen in diesem Zeitraum zurück [14]. Der Grund ist bekannt. Im norwegischen Lachsfutter stammten 2020 nur noch 22,4 % der Zutaten aus dem Meer, davon 10 % Fischöl; 73,1 % waren pflanzlich [25].

Das hat eine Kehrseite, die selten auf einer Flasche steht. Schottischer Zuchtlachs enthielt 2015 nur noch etwa halb so viel EPA und DHA wie 2006: 1,36 statt 2,74 Gramm je 100 Gramm Filet [17]. Weniger Fischöl im Futter, weniger Schadstoffe im Lachs, aber auch weniger von dem, wofür man Lachsöl überhaupt kauft. Der Lachs ist eben, was er frisst.

Für den Hundehalter heißt das: „Wildlachs“ ist kein Reinheitsversprechen, „Zuchtlachs“ kein Schadstoffurteil. Entscheidend sind die Messwerte der Charge. Und die müssen Sie in aller Regel erfragen.

Raffiniert, destilliert, „naturbelassen“: was mit dem Öl passiert

Rohöl wird in der Lebensmittelindustrie meist in vier Schritten raffiniert: Entschleimen (Phospholipide raus), Neutralisieren (freie Fettsäuren raus), Bleichen mit Adsorbentien wie Aktivkohle und Bleicherde (Farbstoffe und Oxidationsprodukte raus) und Desodorieren unter Vakuum (Geruchsstoffe raus) [12]. In der genannten Studie lagen die raffinierten Öle bei der Peroxidzahl unter 5 meq/kg, die EPA- und DHA-Anteile blieben weitgehend erhalten [12]. Allerdings sank der Tocopherolgehalt durch die Raffination um 31 bis 45 % [12]. Das Öl wird reiner und verliert dabei seinen eigenen Rostschutz.

Gegen Dioxine und PCB reicht das klassische Raffinieren nicht immer. Hier kommt die Kurzweg- oder Molekulardestillation ins Spiel: Das Öl wird unter starkem Vakuum über 200 °C erhitzt, flüchtigere Schadstoffe verdampfen [11]. Norwegische Forscher beschrieben das Verfahren 2010 als den wirksamsten industriellen Weg, persistente organische Schadstoffe aus Fischöl zu entfernen [11]. In ihrem Versuch musste die Belastung der Ausgangsware an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB um 76 % sinken, um die GOED-Norm zu erfüllen; das gelang mit weniger als 20 % Vitaminverlust [11].

Bleibt das Wort „naturbelassen“. Es ist kein rechtlich definierter Begriff für Fischöl, und es sagt nichts darüber, ob Dioxine entfernt wurden. Ein schonend gewonnenes, nicht destilliertes Öl kann sehr gut sein, wenn der Rohstoff sauber war. Es kann auch genau das enthalten, was die Destillation entfernt hätte. Ohne Analyse weiß das niemand. Auch nicht die Flasche.

Symbolbild: Goldgelbe Fischölkapseln, dicht an dicht

Symbolbild Fischöl. Foto: Oddman47, CC0 1.0, via Wikimedia Commons (unbearbeitet, verkleinert)

Schwermetalle, Dioxine, PCB: Für den Napf gelten andere Grenzen

Futtermittel und Lebensmittel haben in der EU getrennte Höchstgehalte. Für Futter regelt die Richtlinie 2002/32/EG die „unerwünschten Stoffe“, für Lebensmittel die Verordnung (EU) 2023/915 [1][2]. Die Futterwerte beziehen sich auf ein Futtermittel mit 12 % Feuchtigkeit, die Lebensmittelwerte für Meeresöle auf den Fettanteil [1][2]. Da Öl praktisch nur aus Fett besteht, entspricht der Lebensmittelwert je Gramm Fett ungefähr dem Wert je Gramm Öl. Die Futterwerte gelten dagegen für ein Futtermittel mit 12 % Feuchtigkeit; auf ein nahezu wasserfreies Öl umgerechnet liegen sie sogar etwa ein Achtel höher. Der Vergleich ist deshalb eine Größenordnung, keine exakte Gegenüberstellung.

Dioxine und dioxinähnliche PCB. Für Fischöl als Futtermittel liegt der Höchstgehalt bei 5,0 ng WHO-TEQ/kg für Dioxine und bei 20,0 ng/kg für die Summe aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB [1][3]. Für „Öle von Meerestieren (Fischkörperöl, Fischleberöl …), die für den Endverbraucher in Verkehr gebracht werden“ gelten im Lebensmittelrecht 1,75 pg/g Fett und 6,0 pg/g Fett [2]. Ein Pikogramm pro Gramm entspricht einem Nanogramm pro Kilogramm. Nach unserer Berechnung darf Futter-Fischöl damit bei den Dioxinen knapp dreimal, bei der Summe gut dreimal so viel enthalten wie Fischöl für Menschen – berücksichtigt man die 12-%-Feuchte-Basis, eher drei- bis knapp viermal (eigene Berechnung).

Quecksilber. Für Futtermittel-Ausgangserzeugnisse und Mischfuttermittel gilt allgemein 0,1 mg/kg, für Mischfuttermittel für Hunde und Katzen 0,3 mg/kg. Für „Fisch und sonstige Wassertiere sowie aus diesen gewonnene Erzeugnisse, die zur Herstellung von Mischfuttermitteln für Hunde, Katzen, Zierfische und Pelztiere bestimmt sind“ sind es 1,0 mg/kg [1]. Nahrungsergänzungsmittel für Menschen dürfen 0,10 mg/kg enthalten [2]. Welcher Futterwert für ein pur verkauftes Lachsöl greift, hängt an dessen Einstufung. Der Unterschied beträgt bis zum Zehnfachen.

Blei. Futtermittel-Ausgangserzeugnisse: 10 mg/kg, Ergänzungsfuttermittel ebenfalls 10 mg/kg [1]. Für „Fette und Öle“ im Lebensmittelbereich gilt 0,10 mg/kg, für Nahrungsergänzungsmittel 3,0 mg/kg [2]. Beim Speiseöl ist der zulässige Bleigehalt also hundertfach niedriger als beim Futteröl (eigene Berechnung).

Cadmium. Futtermittel-Ausgangserzeugnisse tierischen Ursprungs und Ergänzungsfuttermittel für Heimtiere: 2 mg/kg [1]. Nahrungsergänzungsmittel: 1,0 mg/kg [2].

Arsen. Für Fisch und daraus gewonnene Erzeugnisse als Futtermittel-Ausgangserzeugnis gelten 25 mg/kg, für „Ergänzungsfuttermittel für Heimtiere, die Fisch … enthalten“ 10 mg/kg – jeweils als Gesamtarsen [1]. Auf Anfrage der Behörde muss der Unternehmer nachweisen, dass der Gehalt an anorganischem Arsen unter 2 ppm liegt [1].

Diese Zahlen sind Höchstgehalte, keine Messwerte. Ein Futteröl, das sie ausschöpft, ist legal. Ein Futteröl, das weit darunter liegt, auch. Der Gesetzgeber zieht die Grenze, wo die Ware vom Markt muss – nicht dort, wo sie gut wird.

Tabelle der EU-Höchstgehalte für Dioxine, dioxinähnliche PCB, Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen: Fischöl als Futtermittel gegen Fischöl für Menschen

Grafik: Futterprüfer.de

Was Behörden und Studien tatsächlich gefunden haben

Höchstgehalte sagen, was erlaubt ist. Messungen sagen, was drin ist. Für Lachsöl speziell für Hunde haben wir bei unserer Recherche (Stand 16.10.2026) keine aktuelle Marktuntersuchung einer deutschen Überwachungsbehörde, der Stiftung Warentest oder von Öko-Test gefunden. Was es gibt, sind Daten zu Fischöl als Futterrohstoff und zu Fischöl für Menschen.

Die EFSA wertete 2018 europäische Futtermittelproben aus. Fischöl enthielt im Mittel 3,33 bis 3,38 ng WHO-TEQ/kg an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB [8]. Das ist etwa ein Sechstel des Futter-Höchstgehalts von 20 ng/kg (eigene Berechnung). Fischöl war damit die am stärksten belastete der genannten Futtergruppen: Fischmehl lag bei 0,60 bis 0,62, pflanzliche Fette und Öle bei 0,17 bis 0,22 ng/kg [8]. Für Hunde schätzte die EFSA eine mittlere Aufnahme von 2,0 bis 2,5 pg WHO-TEQ je kg Körpergewicht und Tag aus Mischfutter [8]. Einen Referenzwert, mit dem man diese Aufnahme beim Hund vergleichen könnte, konnte das Gremium für Hunde nicht ableiten [8]. Das heißt nicht „harmlos“. Es heißt: unbekannt.

Zum Vergleich: Für Menschen legte die EFSA 2018 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme von 2 pg TEQ je kg Körpergewicht fest [8]. Pro Tag gerechnet sind das rund 0,3 pg (eigene Berechnung). Die geschätzte mittlere Aufnahme eines Hundes liegt pro Kilogramm um ein Vielfaches darüber – allerdings ist ein Hund kein kleiner Mensch, und der Menschenwert lässt sich nicht einfach übertragen [8].

Bei Fischöl für Menschen sind die Befunde überwiegend beruhigend. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte 2004 insgesamt 36 Fischölkapseln, davon 32 als Lachsölkapseln bezeichnet [13]. Der Mittelwert lag bei 0,42 pg WHO-TEQ/g Fett. Lediglich fünf Lachsölproben eines Herstellers lagen mit 1,2 bis 1,5 pg knapp unter dem damaligen Auslösewert von 1,5 pg; der damalige Höchstgehalt betrug 2,0 pg [13]. Bei Pestiziden und PCB waren alle Proben deutlich niedriger belastet als das Fett der Ausgangsfische, 40 % sogar äußerst gering. Die Behörde folgerte, dass „durch einen Reinigungsprozess bei der Herstellung sehr schadstoffarme Produkte erzielt werden können“ [13]. Die Stiftung Warentest prüfte 2020 unter anderem 14 Fischölpräparate für Menschen im Labor auch auf Schadstoffe und überschrieb das Ergebnis mit „Qualität in Ordnung, Nutzen nicht ausreichend belegt“ [21].

Die Lehre daraus: Saubere Fischöle sind technisch machbar und im Humanbereich verbreitet. Für den Futterbereich fehlt eine vergleichbare öffentliche Marktübersicht. Wer sein Öl beim Hersteller nach Analysen fragt, schließt diese Lücke für die eigene Flasche.

Ranziges Öl: Peroxidzahl, Anisidinzahl, TOTOX

Fischöl ist das empfindlichste Fett, das im Napf landet. EPA hat fünf, DHA sechs Doppelbindungen – jede davon ist eine Angriffsstelle für Sauerstoff [18]. Das Öl oxidiert. Erst entstehen Peroxide, dann Aldehyde und Ketone, die nach altem Fisch riechen [12].

Drei Kennzahlen beschreiben das:
- Peroxidzahl (PV), in Milliäquivalent Sauerstoff je kg: misst die ersten Oxidationsprodukte, die Peroxide.
- p-Anisidinzahl (p-AV): misst die späteren Abbauprodukte, vor allem Aldehyde.
- TOTOX = 2 × PV + p-AV: fasst beides zusammen [6].

Die GOED-Monografie, eine freiwillige Qualitätsnorm der Omega-3-Industrie, setzt als Obergrenzen PV 5 meq/kg, p-AV 20 und TOTOX 26 [6]. Für aromatisierte Öle gelten p-AV und TOTOX dort ausdrücklich nicht, weil die Messmethode bei Aromen ungenau ist [6]. Gesetzliche Höchstwerte für Peroxid- oder Anisidinzahl von Fischöl gibt es nicht. Die EFSA schrieb 2010, der Wissensstand erlaube es nicht, maximal akzeptable Peroxid- und Anisidinzahlen für die Vielfalt raffinierter Fischöle festzulegen [7]. Sie hielt aber fest: Oxidation in gelagertem Fischöl lässt sich verhindern durch Kühlung, Dunkelheit, Sauerstoffausschluss und Antioxidantien [7].

Wie oft die freiwilligen Grenzen gerissen werden, zeigt eine Auswertung von 72 Omega-3-Präparaten für Menschen aus Meeres- und Algenölen, verkauft in den USA und beprobt 2014 bis 2020: 68 % der aromatisierten (23 von 34) und 13 % der nicht aromatisierten Produkte (5 von 38) lagen über dem TOTOX-Grenzwert von 26 [9]. Bei der Peroxidzahl überschritten 65 % der aromatisierten und 32 % der nicht aromatisierten Produkte die Grenze von 5, bei der Anisidinzahl 62 % der aromatisierten die Grenze von 20 [9]. Aroma überdeckt den Fischgeruch. Und offenbar auch, dass das Öl längst kippt.

Für Hunde ist das besonders relevant, weil Hundeöle oft in großen Flaschen verkauft und über Wochen geöffnet benutzt werden. Eine dänische Arbeit zu flüssigen Fischölen für Heimtiere stellte fest, dass manche Mischungen für Tiere einen hohen Pflanzenölanteil enthalten, um die Oxidationsstabilität zu erhöhen; am besten stabilisierte im Versuch eine Kombination aus Rosmarinextrakt und gemischten Tocopherolen [10]. Ein Pflanzenölanteil ist zulässig. Er verdünnt aber EPA und DHA – und muss dann in der Zusammensetzung stehen (siehe Deklaration).

Ihre Nase ist ein brauchbares, aber spätes Messgerät. Riecht das Öl stechend, tranig oder nach Farbe, ist die Oxidation weit fortgeschritten. Dass es nicht riecht, beweist umgekehrt nichts – siehe Aroma.

Erklärung von Peroxidzahl, Anisidinzahl und TOTOX mit GOED-Obergrenzen, dazu Balkendiagramm: Anteil von 72 Omega-3-Präparaten über den Grenzwerten, aromatisiert und nicht aromatisiert

Grafik: Futterprüfer.de

EPA, DHA und die richtige Menge: weniger, als die Flasche vermuten lässt

Hunde können EPA und DHA aus pflanzlicher Alpha-Linolensäure, etwa aus Leinöl, nur begrenzt bilden [18]. Deshalb führt der National Research Council (NRC) der USA in seinem Standardwerk von 2006 Empfehlungen für EPA und DHA direkt [18][19]. Für einen erwachsenen 10-kg-Hund ergibt sich eine empfohlene Zufuhr von 169 mg EPA + DHA am Tag, berechnet als 30 mg je kg Körpergewicht hoch 0,75 [19]. Die sichere Obergrenze („safe upper limit“) liegt bei 2.800 mg je 1.000 kcal Futter bzw. 370 mg je kg Körpergewicht hoch 0,75 – für den 10-kg-Hund 2.080 mg am Tag [18].

Nach derselben Formel ergeben sich (eigene Berechnung, gerundet):

KörpergewichtEmpfehlung NRC (EPA + DHA/Tag)Sichere Obergrenze NRC (EPA + DHA/Tag)5 kgca. 100 mgca. 1.240 mg10 kg169 mg [19]2.080 mg [18]20 kgca. 285 mgca. 3.500 mg30 kgca. 385 mgca. 4.740 mg

Wichtig: Die Obergrenze gilt für die gesamte Ration, also Futter plus Öl. Viele Fertigfutter enthalten bereits Fischöl oder Fisch.

Der europäische Branchenverband FEDIAF ist zurückhaltender. In seinen Ernährungsrichtlinien 2025 nennt er für Welpen und Zucht einen Mindestwert von 0,05 g EPA + DHA je 100 g Trockenmasse; für erwachsene Hunde reiche die Datenlage nicht, um einen bestimmten Omega-3-Gehalt zu empfehlen [20]. Einen Mindestbedarf, den nur ein Zusatzöl decken könnte, gibt es für den erwachsenen Hund nach diesen Richtlinien also nicht. Wie viel Ihr Futter schon liefert, sehen Sie nur, wenn der Hersteller EPA und DHA angibt (siehe auch unseren Ratgeber Trockenmasse berechnen, um Futterangaben vergleichbar zu machen).

Wie viel EPA + DHA in einem Teelöffel steckt, hängt allein am Gehalt des Öls. Ein Rechenbeispiel, kein Produktwert: Ein Teelöffel Öl (5 ml) hat rund 42 kcal [18], bei etwa 9 kcal je Gramm sind das gut 4,5 g Öl (eigene Berechnung). Enthielte ein Öl 20 % EPA + DHA, wären das gut 900 mg pro Teelöffel – für einen 10-kg-Hund mehr als das Fünffache der NRC-Empfehlung und knapp die Hälfte der Obergrenze (eigene Berechnung). Steht kein EPA-/DHA-Gehalt auf dem Etikett, lässt sich diese Rechnung nicht machen. Dann füttern Sie nach Gefühl.

Eine schlichte Angabe wie „mit Fischöl zur Förderung eines glänzenden Fells“ nennt der FEDIAF-Kodex als Beispiel einer zulässigen funktionalen Auslobung [5]; belegen muss sie der Hersteller trotzdem (Art. 13 Abs. 1 VO 767/2009) [4]. Mehr braucht kein Etikett zu versprechen.

Zu viel des Guten: die dokumentierten Risiken

Eine Übersichtsarbeit im Journal of Veterinary Internal Medicine hat 2013 zusammengetragen, was bei Omega-3-Gaben an Hunde und Katzen schiefgehen kann [18]. Die Autorinnen betonen, dass viele Effekte bislang theoretisch sind und meist von der Menge abhängen [18]. Einige sind aber gut dokumentiert.

Durchfall und Erbrechen. Magen-Darm-Beschwerden werden laut der Übersicht häufig berichtet und waren in Studien ein Grund, die Gabe abzubrechen [18]. Die Wirkung ist mengenabhängig [18].

Vitamin-E-Verbrauch. Je mehr hochungesättigte Fettsäuren im Futter, desto mehr Vitamin E braucht der Körper, um sie vor Oxidation zu schützen [18][20]. In einer Studie mit älteren Hunden sank bei fischölreicher Fütterung die Vitamin-E-Konzentration im Plasma [18]. Die FEDIAF schreibt, ein erhöhter Vitamin-E-Gehalt könne nötig sein, wenn die PUFA-Aufnahme hoch ist, „insbesondere aus Fischöl“ [20]. Ein Lachsöl ohne Angabe zum Antioxidans ist deshalb eine Frage wert. Mehr zu Tocopherolen lesen Sie in unserem Beitrag zu Zusatzstoffen im Hundefutter.

Blutgerinnung. EPA und DHA führen zur Bildung von Thromboxan A3, das Blutplättchen schwächer aktiviert als das aus Arachidonsäure gebildete Thromboxan A2 [18]. In Hundestudien zeigten sich nur kleine oder keine Veränderungen der Plättchenfunktion [18]. Die Autorinnen weisen aber auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten hin, die ebenfalls die Gerinnung beeinflussen, etwa bestimmte Entzündungshemmer [18]. Und sie halten es für klug, hohe Omega-3-Mengen vor Operationen abzusetzen [18]. Bekommt Ihr Hund Medikamente oder steht ein Eingriff an, gehört das Öl in das Gespräch mit der Tierarztpraxis.

Kalorien. Ein Teelöffel Öl liefert rund 42 kcal [18]. Bei einem 10-kg-Hund mit einem Ruheenergiebedarf von unter 400 kcal ist das mehr als ein Zehntel davon (eigene Berechnung nach [18]). Das Öl ist kein Gewürz. Es ist eine Mahlzeitkomponente.

Schadstoffe und Vitamine. Die Übersicht nennt ausdrücklich die mögliche Aufnahme von Schwermetallen wie Quecksilber und von PCB und Dioxinen; klinische Fälle durch Fischöl bei Hunden seien nicht berichtet, das Risiko hänge von Produkt und Charge ab [18]. Bei Fischleberölen wie Lebertran kommen die Vitamine A und D hinzu [18]. Lachsöl aus Körperfett und Lebertran sind nicht dasselbe – das Etikett sollte sagen, was drin ist.

Ranziges Öl. Oxidierte Fette bringen Abbauprodukte in den Napf und verbrauchen zusätzlich Antioxidantien [18]. Wer ein tranig riechendes Öl „noch aufbraucht“, spart am falschen Ende.

So versteckt sich Lachsöl in der Deklaration

Das Etikett eines Futtermittels folgt der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 (Grundlagen in unserem Ratgeber Futterdeklaration richtig lesen, zu den Futtermittelarten siehe Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel). Was dort Pflicht ist, steht in den Artikeln 15 bis 17 und den Anhängen [4]. Was dort nicht steht, müssen Sie nicht erfahren. Sieben Lücken, die uns bei Lachsöl besonders auffallen:

1. Zucht oder Wild, Herkunft, Fischart im Detail. Für ein Einzelfuttermittel verlangt Art. 16 die Bezeichnung des Einzelfuttermittels und bestimmte Angaben je Kategorie; Art. 15 die Futtermittelart, den Verantwortlichen, die Partie, die Menge, die Zusatzstoffe und gegebenenfalls den Feuchtegehalt [4]. Ob der Lachs aus Netzgehegen oder aus dem Pazifik kam, gehört nicht zu diesen Pflichtangaben. Steht es drauf, ist es freiwillig.

2. Das Antioxidans ohne Namen. Für Zusatzstoffe der Funktionsgruppen „Konservierungsmittel“, „Antioxidationsmittel“, „Farbstoffe“ und „Aromastoffe“ genügt bei der Pflichtangabe der Zusatzstoffe nach Art. 15 Buchst. f die Angabe der Funktionsgruppe (Anhang VII Kapitel I Nr. 5 i. V. m. Art. 15 Buchst. f VO 767/2009, Anhang VII in der Fassung der VO (EU) 2017/2279) [4]. Auf dem Etikett darf also schlicht „Antioxidationsmittel“ stehen. Welcher Stoff in welcher Menge, muss der Verantwortliche „dem Käufer auf Anfrage mitteilen“ [4]. Die Telefonnummer oder ein anderes Kommunikationsmittel dafür ist bei Heimtierfutter Pflicht (Art. 19) [4].

3. Kein Mindesthaltbarkeitsdatum beim reinen Öl. Für Mischfuttermittel, also auch Ergänzungsfuttermittel, ist die Mindesthaltbarkeit Pflicht (Art. 17 Abs. 1 d) [4]. Für Einzelfuttermittel verlangt die Verordnung sie nur für zugesetzte Zusatzstoffe, „die keine technologischen Zusatzstoffe sind“ (Art. 16 Abs. 2 c) [4]. Antioxidationsmittel sind technologische Zusatzstoffe. Ein als Einzelfuttermittel verkauftes Lachsöl, dem nur ein Antioxidans zugesetzt wurde, braucht nach unserer Lesart der Verordnung kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Ausgerechnet beim empfindlichsten Fett im Regal. Anders, wenn zusätzlich etwa Vitamin E als ernährungsphysiologischer Zusatzstoff zugesetzt ist – dann ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum Pflicht [4].

4. Kein EPA- und DHA-Gehalt. Als analytische Bestandteile müssen „sonstige Ergänzungsfuttermittel“ für Hunde Rohprotein, Rohfaser, Rohfett und Rohasche angeben [4]. EPA und DHA gehören nicht dazu. Eine Ausnahme ergibt sich aus der Werbung: Wird ein Nährstoff wie Omega-3 hervorgehoben („angereichert mit Omega-3“), ist laut FEDIAF-Kodex die Mengenangabe Pflicht [5]. „Reich an Omega-3“ ohne Zahl ist daher aus unserer Sicht mindestens fragwürdig.

5. Keine Oxidationswerte, keine Schadstoffwerte. Peroxidzahl, Anisidinzahl, TOTOX, Dioxin- oder Quecksilbergehalt sind keine Pflichtangaben nach VO 767/2009 [4]. Ein Öl kann frisch oder ranzig, sauber oder nahe am Höchstgehalt sein – das Etikett sieht in beiden Fällen gleich aus.

6. „Lachsöl“ als Teil einer Mischung. Ist das Produkt ein Ergänzungsfuttermittel aus mehreren Ölen, müssen alle Einzelfuttermittel unter „Zusammensetzung“ in absteigender Reihenfolge nach Gewicht stehen [4]. Hebt die Aufmachung den Lachs „in Worten, Bildern oder Grafiken“ hervor, ist zusätzlich sein Gewichtsprozentsatz anzugeben (Art. 17 Abs. 2 a) [4]. Ein Lachs auf dem Etikett ohne Prozentzahl in der Zusammensetzung ist aus unserer Sicht ein Hinweis zum Nachfragen.

7. Antioxidantien über den Rohstoff. Ein Antioxidans kann schon im zugekauften Rohöl stecken. In der Rubrik „Zusatzstoffe“ steht, was dem Futter zugesetzt wurde. Wer aber „ohne Zusatz von …“ wirbt, darf den Stoff laut FEDIAF-Kodex auch nicht indirekt über Einzelfuttermittel eingebracht haben [5]. Mehr dazu, auch zum nicht mehr zugelassenen Ethoxyquin, in unserem Zusatzstoff-Ratgeber.

Unser Rat: Schreiben Sie dem Hersteller. Fragen Sie nach Fischart und Herkunft, Antioxidans und Menge, EPA- und DHA-Gehalt sowie Peroxid- und Anisidinzahl der aktuellen Charge und nach einer Analyse auf Dioxine, PCB und Schwermetalle. Wer gut arbeitet, hat diese Zahlen. Wer sie nicht hat, hat auch eine Antwort gegeben.

Muster-Etikett eines Lachsöls für Hunde mit Pflichtangaben nach VO 767/2009 und typischen Lücken wie Herkunft, EPA/DHA, Oxidations- und Schadstoffwerte

Grafik: Futterprüfer.de

Siegel und Zertifikate: Was sie prüfen – und was nicht

Ein Siegel ist nur so gut wie die Frage, die es beantwortet. Bei Lachsöl beantworten die bekanntesten Siegel sehr verschiedene Fragen.

MSC (Marine Stewardship Council) zertifiziert Wildfischereien nach drei Prinzipien: nachhaltige Fischbestände, möglichst geringe Umweltauswirkungen und wirksames Management [27]. Das ist eine Aussage über die Fischerei. Eine Laboranalyse des Öls auf Schadstoffe oder Ranzigkeit gehört nicht zu diesen drei Prinzipien [27].

ASC (Aquaculture Stewardship Council) zertifiziert Zuchtbetriebe. Der Lachs- und Kabeljau-Standard (Version 1.5, Oktober 2025) gliedert sich in sieben Prinzipien, darunter Schutz von Lebensräumen und Wildpopulationen, Ressourceneffizienz beim Futter, Umgang mit Krankheiten und Parasiten sowie soziale Verantwortung [28]. Grenzwerte für Schadstoffe im fertigen Öl fanden wir bei unserer Durchsicht des Standards nicht [28].

IFOS (International Fish Oil Standards) ist ein Prüfprogramm der Firma Nutrasource, gestartet 2004 [29]. Getestet werden der Omega-3-Gehalt im Vergleich zum Etikett, Schadstoffe und die Stabilität, also die Oxidation; die Ergebnisse je Charge werden online veröffentlicht [29]. Das ist am nächsten an dem, was ein Hundehalter wissen will. Das Programm richtet sich vor allem an Omega-3-Präparate für Menschen [29]. Prüfen Sie, ob die Chargennummer Ihrer Flasche zum veröffentlichten Bericht passt.

GOED ist kein Siegel im engeren Sinn, sondern eine freiwillige Branchennorm mit Grenzwerten für Oxidation und Schadstoffe [6]. Ein Hinweis „nach GOED-Standard“ ist aus unserer Sicht erst dann etwas wert, wenn die zugehörigen Messwerte der Charge vorliegen.

Kurz: MSC und ASC sagen etwas über Meer und Netz. IFOS und GOED etwas über das Öl. Für die Flasche im Hundeschrank brauchen Sie im Zweifel beides.

Tierschutz: Was der Lachs vor dem Öl erlebt

Lachsöl ist ein Nebenprodukt. Aber das Tier, aus dem es stammt, ist keines. Wer Lachsöl kauft, kauft ein Stück Lachszucht oder Lachsfischerei mit. Die folgenden Zahlen stammen aus Norwegen, dem größten Lachsproduzenten Europas, und aus Alaska, weil dort die Datenlage gut ist.

Sterblichkeit. 2025 starben in norwegischen Lachsfarmen in der Meeresphase 14,2 % der Tiere, gemeldet wurden 54,9 Millionen tote Zuchtlachse [22]. 2024 waren es 15,4 %, 2023 16,7 % [22]. Das norwegische Veterinärinstitut nennt den Rückgang eine positive Entwicklung und mahnt zugleich, die Arbeit an Fischgesundheit und Tierwohl müsse weitergehen, damit der Rückgang dauerhaft wird [22]. Je nach Region schwankte die Sterblichkeit 2025 zwischen 9,4 und 20,1 % [22]. Gemessen an der Jahressterblichkeit stirbt in der Meeresphase rechnerisch etwa jeder siebte Zuchtlachs – nach unserer Einschätzung keine Randerscheinung, sondern ein Systemmerkmal.

Verletzungen und Lachsläuse. Als wichtigste Todesursachen nennt der Fischgesundheitsbericht 2025, ausgewertet für 408 Meeresstandorte und damit knapp die Hälfte aller Lachsstandorte, „Verletzungen (Traumata)“ mit 33,5 %, gefolgt von Infektionskrankheiten mit 28,1 % und unbekannten Ursachen mit 27,4 % [23]. In der Umfrage unter Fischgesundheitspersonal stehen Kiemenerkrankungen und Verletzungen nach der Entlausung wie in den Vorjahren ganz oben unter den Gesundheitsproblemen von Speiselachs [23]. Besonders belastend sind laut Bericht Schäden an Augen, Kiemen und Maul, gefolgt von Körperwunden und Flossenschäden [23]. Ernste Zwischenfälle rund um die medikamentfreie Entlausung stiegen am stärksten und machten 2025 44 % der gemeldeten ernsten Zwischenfälle aus – parallel zu mehr Entlausungswochen [23].

Besatzdichte. Norwegen erlaubt in Netzgehegen für Speiselachs höchstens 25 kg Fisch je Kubikmeter [24]. Das klingt wenig. Zur Veranschaulichung: Bei einer Dichte des Fisches ähnlich der von Wasser füllen Lachse damit rund 2,5 % des Volumens (eigene Überschlagsrechnung). Der Wert ist eine Obergrenze; die Vorschrift verlangt zusätzlich, dass die Dichte an Wasserqualität, Verhalten, Gesundheit und Betrieb angepasst ist [24].

Putzerfische. Gegen Lachsläuse setzen Farmen Putzerfische ein, vor allem Seehasen und Lippfische. 2025 wurden in Norwegen rund 19 Millionen Putzerfische in Lachsgehege gesetzt; 12,7 Millionen wurden als tot registriert [23]. Dazu muss man wissen: Jeder Putzerfisch, der aus dem Gehege genommen wird, zählt in der Statistik als tot [23]. Als wichtigste Gesundheitsprobleme nennt der Bericht Abmagerung, Handhabung, Flossenschäden, Infektionen und medikamentfreie Entlausung [23]. Diese Tiere stehen auf keinem Etikett.

Futterfische. Zuchtlachse sind Raubfische. 2020 bestand ihr Futter in Norwegen zu 10 % aus Fischöl und zu 12 % aus Fischmehl [25]. Ein Teil des Meeres wird also gefangen, um einen anderen Teil des Meeres zu mästen.

Beifang beim Wildlachs. Auch Wildlachs ist nicht automatisch tierschutzneutral. Eine Auswertung zu Lachs-Stellnetzfischereien in Alaska schätzte den Beifang an Seevögeln je nach Gebiet und Jahr auf 111 bis 3.059 Vögel, am häufigsten Trottellummen und Marmelalke [26]. Je länger ein Netz im Wasser stand, desto wahrscheinlicher hing ein Vogel darin. Als Gegenmaßnahmen nennen die Autoren weniger Fischen bei Nacht und Dämmerung, saubere und straff gespannte Netze und häufigeres Kontrollieren [26].

Symbolbild: Runde Netzgehege einer Lachsfarm in einer Meeresbucht vor Bergkulisse

Symbolbild: Lachs-Netzgehege in Australien. Foto: CSIRO, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons (verkleinert)

Weiblicher Seehase (Cyclopterus lumpus), ein in Lachsfarmen eingesetzter Putzerfisch, vor weißem Hintergrund

Seehase (Cyclopterus lumpus). Foto: Clumpus, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons (verkleinert)

Was folgt daraus für den Kauf? Ein Lachsöl ohne jede Angabe zu Herkunft und Haltung lässt Sie nach unserer Einschätzung im Dunkeln über genau den Teil, den der Hund nicht schmeckt. ASC beim Zuchtlachs und MSC beim Wildlachs prüfen zumindest Teile davon [27][28]. Und wer auf Fischöl verzichten möchte: Für erwachsene Hunde sieht die FEDIAF derzeit keinen bestimmten Omega-3-Mindestgehalt vor [20]. Ob Ihr Hund ein Zusatzöl braucht, klären Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.

Checkliste: 5 Punkte vor dem Kauf

  1. EPA + DHA in Zahlen. Steht der Gehalt in mg oder % auf dem Etikett? Nur dann können Sie die Menge mit der NRC-Empfehlung und der Obergrenze abgleichen [18][19].

  2. Oxidationswerte der Charge. Fragen Sie nach Peroxidzahl, Anisidinzahl und TOTOX. Als Maßstab dienen die GOED-Werte 5 / 20 / 26 [6]. Achten Sie auf ein Haltbarkeitsdatum und kaufen Sie lieber kleine Flaschen; lagern Sie sie kühl, dunkel und gut verschlossen [7].

  3. Schadstoffanalyse. Fragen Sie nach Messwerten zu Dioxinen, dl-PCB, Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen und danach, ob das Öl destilliert wurde. Nennt der Hersteller ein IFOS-Zertifikat, prüfen Sie, ob die Chargennummer passt [29].

  4. Antioxidans und Zusammensetzung. Welches Antioxidans, wie viel? Ist das Öl rein oder eine Mischung, und steht der Lachsanteil in Prozent da, wenn er beworben wird [4]?

  5. Herkunft und Tierschutz. Zuchtlachs oder Wildlachs, welches Land, welches Siegel? ASC und MSC prüfen Haltung bzw. Fischerei, nicht das Öl selbst [27][28].

Häufige Fragen

Ist Lachsöl für Hunde gesund? Fischöl liefert EPA und DHA, die Hunde aus Pflanzenölen nur begrenzt bilden können [18]. Der FEDIAF-Kodex nennt etwa „mit Fischöl zur Förderung eines glänzenden Fells“ als Beispiel einer zulässigen Angabe [5]. Ob ein Zusatzöl sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel das Futter schon liefert. Für erwachsene Hunde nennt die FEDIAF keinen bestimmten Mindestgehalt [20].

Wie viel Lachsöl darf mein Hund bekommen? Maßgeblich ist nicht die Ölmenge, sondern EPA + DHA. Die NRC-Obergrenze liegt bei 370 mg je kg Körpergewicht hoch 0,75 am Tag für die gesamte Ration, beim 10-kg-Hund 2.080 mg [18]. Ohne EPA-/DHA-Angabe auf dem Etikett lässt sich die passende Menge nicht berechnen.

Woran erkenne ich ranziges Lachsöl? Sicher nur an der Peroxid- und Anisidinzahl. Ein stechender oder traniger Geruch ist ein spätes Warnzeichen. Aromatisierte Öle überschritten in einer US-Auswertung deutlich häufiger die freiwilligen Oxidationsgrenzen als nicht aromatisierte [9].

Ist Wildlachsöl sauberer als Zuchtlachsöl? Nicht pauschal. Zuchtlachs hatte 2004 höhere Gehalte an Organochlorverbindungen, Wildlachs teils höhere Gehalte an Cadmium [15][16]. Bei norwegischem Zuchtlachs gingen Dioxine und Quecksilber bis 2011 zurück [14]. Entscheidend ist die Analyse der Charge.

Muss Lachsöl ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben? Als Ergänzungsfuttermittel ja [4]. Als Einzelfuttermittel nach unserer Lesart von Art. 16 VO 767/2009 nur, wenn ihm Zusatzstoffe zugesetzt wurden, die keine technologischen Zusatzstoffe sind [4].

Fazit

Lachsöl kann ein sauberes, frisches Produkt sein: Die Technik dafür gibt es, und im Humanbereich zeigen Behördendaten, dass sie funktioniert [13]. Für den Napf erlaubt das Recht mehr Spielraum, und das Etikett muss weder Herkunft noch Frische noch Schadstoffwerte verraten [1][4]. Nach unserer Einschätzung entscheidet deshalb nicht die Flasche, sondern die Antwort des Herstellers auf drei Fragen: Wie viel EPA und DHA, wie frisch, wie sauber. Wer darauf Zahlen hat, verdient Lob. Wer nur einen Lachs auf dem Etikett hat, hat ein Bild verkauft.

Bildnachweise

  • Symbolbild Fischöl: „Fish Oil Capsules“, Foto: Oddman47, CC0 1.0, via Wikimedia Commons (commons.wi…), verkleinert.

  • Symbolbild Lachs-Netzgehege in Australien: „CSIRO ScienceImage 2686 Salmon Cages“, Foto: CSIRO, CC BY 3.0 (creativeco…), via Wikimedia Commons (commons.wi…), verkleinert und als WebP gespeichert.

  • Seehase: „Cyclopterus lumpus female“, Foto: Clumpus, CC BY 4.0 (creativeco…), via Wikimedia Commons (commons.wi…), verkleinert und als WebP gespeichert.

  • Alle Grafiken: Futterprüfer.de, Quellen jeweils in der Grafik.

Lizenzen: CC0 1.0 creativeco… · CC BY 3.0 creativeco… · CC BY 4.0 creativeco…

Quellen

Stand aller Abrufe: 16.10.2026.

  1. Richtlinie 2002/32/EG über unerwünschte Stoffe in der Tierernährung, konsolidierte Fassung vom 28.11.2019, Anhang I. eur-lex.eu…

  2. Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln, Anhang I (u. a. Nr. 3.1.18, 3.1.28, 3.2.21, 3.3.2, 4.1.10). eur-lex.eu…

  3. Verordnung (EU) Nr. 277/2012 zur Änderung der Anhänge I und II der Richtlinie 2002/32/EG (Dioxine und PCB). eur-lex.eu…

  4. Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln, insb. Art. 13, 15, 16, 17, 19 und Anhang VII Kapitel I (Anhang VII ersetzt durch VO (EU) 2017/2279) (konsolidierte Fassung). eur-lex.eu…

  5. FEDIAF/IVH: Kodex für die gute Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln, deutsche Fassung, Version Oktober 2018. ivh-online…

  6. GOED: Voluntary Monograph, Version 9.1 vom 23.07.2026. goedomega3…

  7. EFSA Panel on Biological Hazards (2010): Scientific Opinion on Fish Oil for Human Consumption. Food Hygiene, including Rancidity. EFSA Journal 8(10):1874. doi.org/10…

  8. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (2018): Risk for animal and human health related to the presence of dioxins and dioxin-like PCBs in feed and food. EFSA Journal 16(11):5333. doi.org/10…

  9. Hands JM, Anderson ML, Cooperman T, Frame LA (2024): A Multi-Year Rancidity Analysis of 72 Marine and Microalgal Oil Omega-3 Supplements. Journal of Dietary Supplements 21(2):195–206. doi.org/10…

  10. Thomsen BR, Griinari M, Jacobsen C (2017): Improving oxidative stability of liquid fish oil supplements for pets. European Journal of Lipid Science and Technology. doi.org/10…

  11. Oterhals Å, Berntssen MHG (2010): Effects of refining and removal of persistent organic pollutants by short-path distillation on nutritional quality and oxidative stability of fish oil. Journal of Agricultural and Food Chemistry 58(23):12250–12259. doi.org/10…

  12. Šimat V, Vlahović J, Soldo B et al. (2019): Production and Refinement of Omega-3 Rich Oils from Processing By-Products of Farmed Fish Species. Foods 8(4):125. pmc.ncbi.n…

  13. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Fischölkapseln – Untersuchungsergebnisse 2004. lgl.bayern…

  14. Nøstbakken OJ, Hove HT, Duinker A et al. (2015): Contaminant levels in Norwegian farmed Atlantic salmon (Salmo salar) in the 13-year period from 1999 to 2011. Environment International 74:274–280. doi.org/10…

  15. Hites RA, Foran JA, Carpenter DO et al. (2004): Global Assessment of Organic Contaminants in Farmed Salmon. Science 303:226–229. doi.org/10…

  16. Foran JA, Hites RA, Carpenter DO et al. (2004): A survey of metals in tissues of farmed Atlantic and wild Pacific salmon. Environmental Toxicology and Chemistry 23(9):2108–2110. doi.org/10…

  17. Sprague M, Dick JR, Tocher DR (2016): Impact of sustainable feeds on omega-3 long-chain fatty acid levels in farmed Atlantic salmon, 2006–2015. Scientific Reports 6:21892. doi.org/10…

  18. Lenox CE, Bauer JE (2013): Potential Adverse Effects of Omega-3 Fatty Acids in Dogs and Cats. Journal of Veterinary Internal Medicine 27(2):217–226. doi.org/10…

  19. Today's Veterinary Practice (2016): Role of Dietary Fatty Acids in Dogs & Cats, Tabelle 5 (EPA + DHA nach NRC 2006). todaysvete…

  20. FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, September 2025 (Tab. III-3a/b; Abschnitte Omega-3 und Vitamin E). europeanpe…

  21. Stiftung Warentest (26.05.2020): Mittel mit Omega-3-Fettsäuren im Test. test.de/Pi…

  22. Veterinærinstituttet (05.02.2026): Dødelighet i lakseoppdrett i 2025. vetinst.no…

  23. Veterinærinstituttet: Fiskehelserapporten 2025 (2026). vetinst.no…

  24. Forskrift om drift av akvakulturanlegg (akvakulturdriftsforskriften), § 25 Tetthet. lovdata.no…

  25. Aas TS, Åsgård T, Ytrestøyl T (2022): Utilization of feed resources in the production of Atlantic salmon (Salmo salar) in Norway: An update for 2020. Aquaculture Reports 26:101316. doi.org/10…

  26. Dietrich KS, Kuletz KJ, Moon J et al. (2025): Marine Bird Bycatch in Alaska Salmon Gillnet Fisheries. Fisheries Management and Ecology 32:366–387. doi.org/10…

  27. Marine Stewardship Council: The MSC Fisheries Standard. msc.org/en…

  28. Aquaculture Stewardship Council: ASC Salmon and Cod Standard, Version 1.5, Oktober 2025. asc-aqua.o…

  29. Nutrasource: IFOS – How certifications work. certificat…

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