Hanf für Hunde: Hanfsamen, Hanföl und CBD rechtlich eingeordnet
Von Futterprüfer · · Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2026

Hanfsamenöl und CBD-Öl werden oft verwechselt. Hanfsamen, Hanfkuchen und Hanfsamenöl sind als Futtermittel beschrieben, CBD-Extrakt ist laut Landesamt kein zugelassener Futtermittelzusatzstoff. Wir erklären die Rechtslage, die Grenze zum Tierarzneimittel, THC-Risiken und was Studien zu CBD bei Hunden bisher zeigen.
Hanf für Hunde ist nicht gleich Hanf: Hanfsamen, Hanfkuchen und Hanfsamenöl sind in der EU als Einzelfuttermittel beschrieben und dürfen verfüttert werden, sofern sie aus Nutzhanfsorten stammen. CBD-Extrakt dagegen ist nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ein in der EU nicht zugelassener Futtermittelzusatzstoff. THC, der berauschende Wirkstoff der Cannabispflanze, kann für Hunde gefährlich sein.
Auf dem Etikett steht oft nur „Hanf“. Rechtlich kann dahinter ein Futtermittel stecken oder etwas, das als Futter nicht zugelassen ist. Dieser Beitrag erklärt den Unterschied zwischen Hanfsamenöl und CBD-Öl, was im Futtermittelrecht gilt, wo die Grenze zum Tierarzneimittel verläuft und was Studien zu CBD bei Hunden bisher zeigen. Wir bewerten keine einzelnen Produkte.
Das Wichtigste in Kürze
- Hanfsamen und Hanfsamenöl: Im EU-Katalog der Einzelfuttermittel gelistet, wenn sie aus Hanfsorten mit weniger als 0,2 % THC stammen. Hanfsamen enthalten laut LGL von Natur aus keine Cannabinoide.
- CBD ist etwas anderes: CBD-Öl ist laut LGL eine Mischung aus Öl und CBD-Extrakt. CBD-Extrakt ist nach Angaben des LGL und der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope in der EU nicht als Futtermittelzusatzstoff zugelassen.
- Grenze zum Arzneimittel: CBD-Produkte für Tiere können als Tierarzneimittel eingestuft werden, die eine Zulassung brauchen.
- Studienlage dünn: Es gibt erste kleine Studien zu CBD bei Hunden mit Arthrose oder Epilepsie, teils mit veränderten Leberwerten.
- THC ist riskant: Cannabisprodukte für Menschen, etwa Gebäck mit THC-Butter, gehören nicht in Hundereichweite.
Was ist der Unterschied zwischen Hanfsamenöl und CBD-Öl?
Gleiche Pflanze, verschiedene Welten. Die beiden Produkte werden oft verwechselt, sind aber rechtlich und inhaltlich verschieden:
| Hanfsamenöl (Hanföl) | CBD-Öl | |
|---|---|---|
| Herkunft | Gepresst aus den Samen von Nutzhanf | Trägeröl, dem ein CBD-Extrakt zugesetzt ist; der Extrakt stammt aus anderen Pflanzenteilen |
| Cannabinoide | Samen sind laut LGL von Natur aus cannabinoidfrei; geringe Mengen gelangen nur durch Verunreinigung hinein | Enthält CBD gezielt |
| Status im Futtermittelrecht | Einzelfuttermittel „Hanfsaatöl“ (Katalog-Nr. 2.22.3) | CBD-Extrakt: laut LGL nicht zugelassener Futtermittelzusatzstoff |
| Was auf dem Etikett darf | Angaben nach Futtermittelrecht, keine Krankheitsbehandlung | Mit zugesetztem CBD-Extrakt als Futtermittel nach Auffassung des LGL nicht verkehrsfähig; als Tierarzneimittel nur mit Zulassung |
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigen Untersuchungen des LGL aus den Jahren 2021 und 2022: Drei als Hanföl angebotene Proben enthielten 21.800 bis 31.800 mg CBD und CBDA je kg. Für gepresste Hanföle nennt das LGL Literaturwerte meist unter 10 bis 63,5 mg/kg. Ein „Hanföl“ kann also im Einzelfall ein CBD-Öl sein, ohne dass der Name das verrät. Der Name auf der Flasche ist hier nach unserer Einschätzung die schwächste Information.
Welche Hanf-Erzeugnisse sind als Futtermittel erlaubt?
Als Futtermittel beschrieben sind die Samen und was daraus gepresst wird, nicht die Blüte. Der EU-Katalog der Einzelfuttermittel (Verordnung (EU) Nr. 68/2013 in der Fassung der Verordnung (EU) 2022/1104) beschreibt folgende Hanf-Erzeugnisse. Alle stammen aus Sorten der Hanfpflanze Cannabis sativa L. mit einem THC-Gehalt unter 0,2 %, gemessen nach der Methode der Verordnung (EU) Nr. 639/2014:
| Nr. | Bezeichnung | Beschreibung laut Katalog (gekürzt) |
|---|---|---|
| 2.22.1 | Hanfsaat | Samen von Nutzhanfsorten |
| 2.22.2 | Hanfkuchen | Rückstand aus dem Pressen der Samen bei der Ölgewinnung |
| 2.22.3 | Hanfsaatöl | Öl, durch Pressen der Samen gewonnen |
| 6.7.1 | Hanfmehl | Vermahlene Stängel |
| 6.7.2 | Hanffaser | Mechanisch verarbeitete Stängel |
Blüten, Blätter und daraus gewonnene Extrakte stehen nicht in dieser Liste. Der Katalog beschreibt Einzelfuttermittel; ein Eintrag ist keine Aussage über eine gesundheitliche Wirkung. Wie Sie solche Zutaten in der Zusammensetzung eines Futters finden, erklärt unser Beitrag Futterdeklaration richtig lesen.
Ist CBD im Hundefutter erlaubt?
Beim CBD endet nach Darstellung des LGL das Futtermittelrecht. Nach Darstellung des LGL nicht: „Hanföl ist ein Einzelfuttermittel, CBD bzw. CBD-Extrakt jedoch ein in der EU nicht zugelassener Futtermittelzusatzstoff.“ Futtermittel mit technisch unvermeidbaren CBD-Gehalten, wie sie durch Verunreinigung entstehen, sind laut LGL in der Regel verkehrsfähig. Gezielt zugesetztes CBD ist es nicht. Auch die Schweizer Forschungsanstalt Agroscope schreibt (Stand Januar 2026), dass Hanfextrakt als Futtermittelzusatzstoff nicht zugelassen ist und in der Schweiz wie in der EU derzeit kein solches Produkt zugelassen ist.
Zum Vergleich: Bei Lebensmitteln für Menschen gilt CBD nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als neuartiges Lebensmittel, für das bisher keine Zulassung vorliegt. Das BVL weist außerdem darauf hin, dass CBD-Erzeugnisse als Arzneimittel einzustufen sein können.
Wann ist ein CBD-Produkt ein Tierarzneimittel?
Ob Futter oder Arzneimittel, entscheidet auch die Aufmachung. Ein Tierarzneimittel ist nach Art. 4 Nr. 1 der Verordnung (EU) 2019/6 unter anderem ein Stoff, der zur Heilung oder Verhütung von Tierkrankheiten bestimmt ist oder physiologische Funktionen durch eine pharmakologische Wirkung beeinflussen soll. Tierarzneimittel brauchen grundsätzlich eine Zulassung.
Ein Beispiel aus der Rechtsprechung: Das Regierungspräsidium Freiburg hatte einem Unternehmen sofort vollziehbar verboten, CBD-haltige „Pflegeöle“ für Hunde und Katzen ohne Zulassung als Tierarzneimittel zu verkaufen. Das Verwaltungsgericht Freiburg hat den Eilantrag des Unternehmens dagegen abgelehnt (Beschluss vom 24.03.2026, Az. 9 K 5912/25). Nach summarischer Prüfung ordnete das Gericht die Öle voraussichtlich als Tierarzneimittel ein: wegen der pharmakologischen Wirkung von CBD in der empfohlenen Dosierung und wegen der Art, wie die Produkte präsentiert und vermarktet wurden. Es handelt sich um eine Eilentscheidung; das Hauptsacheverfahren (Az. 9 K 5911/25) war zu diesem Zeitpunkt noch offen.
Für Sie als Tierhalter bedeutet das nach unserer Einschätzung: Ein CBD-Produkt, das als „Futter“, „Pflegeöl“ oder „Ergänzung“ angeboten wird, ist deshalb nicht automatisch rechtlich unproblematisch oder geprüft.
Was sagt die Forschung zu CBD bei Hunden?
Die Forschung steht hier am Anfang, nicht am Ziel. Die Zahl kontrollierter Studien ist klein. Eine Auswahl:
| Arbeit | Art und Umfang | Ergebnis laut Autoren | Grenzen und Hinweise |
|---|---|---|---|
| Gamble et al. 2018 | 16 ausgewertete Hunde mit Osteoarthritis, placebokontrollierte Crossover-Studie, je 4 Wochen | Bessere Schmerz- und Aktivitätswerte unter CBD-Öl; keine von Haltern berichteten Nebenwirkungen | Anstieg des Leberenzyms alkalische Phosphatase unter CBD; kleine Studie; finanziert vom Anbieter des untersuchten CBD-Produkts |
| McGrath et al. 2019 | 26 Hunde mit therapieresistenter Epilepsie, CBD zusätzlich zur bisherigen Behandlung, 12 Wochen | Anfallshäufigkeit im Median um 33 % gesenkt; Anteil der Hunde mit mindestens 50 % weniger Anfällen aber ähnlich wie unter Placebo | 2 Hunde mit Bewegungsstörungen (Ataxie) ausgeschieden; Anstieg der alkalischen Phosphatase |
| Vaughn et al. 2020 | 20 gesunde Beagle, steigende Dosen von CBD-, THC- und gemischten Ölen | CBD-betontes Öl wurde gut vertragen; Öle mit THC verursachten mehr Nebenwirkungen | Die Autoren arbeiteten für ein Cannabis-Unternehmen |
| Barbeau-Grégoire et al. 2022 | Meta-Analyse zu Diäten und Ergänzungen bei Arthrose von Hund und Katze | Schmerzbezogene Wirksamkeit für CBD „in geringerem Maß“ als für Omega-3-Fettsäuren | Die Autoren geben Forschungstätigkeit für zahlreiche Unternehmen der Branche an |
Unsere Einordnung: Die Studien sind klein und kurz, die Ergebnisse uneinheitlich, und mehrfach wurden veränderte Leberwerte gemessen. Für eine Behandlung zuständig ist die Tierarztpraxis, die auch zugelassene Tierarzneimittel einsetzen kann.
Wie gefährlich ist THC für Hunde?
Hanf-Einzelfuttermittel müssen aus Sorten mit weniger als 0,2 % THC stammen; das schreibt der EU-Katalog der Einzelfuttermittel vor. Das Futtermittel-Gremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2011 in einem wissenschaftlichen Gutachten empfohlen, für Futtermittel aus Hanfsamen einen THC-Höchstgehalt von 10 mg/kg einzuführen und Futtermittel aus der ganzen Hanfpflanze zu beschränken oder zu verbieten. Anlass war vor allem, dass THC über die Milch von Nutztieren zum Menschen gelangen kann; ein Grenzwert für Hunde ist das nicht. EFSA-Gutachten sind wissenschaftliche Empfehlungen und selbst nicht rechtsverbindlich. Ob daraus inzwischen ein verbindlicher THC-Höchstgehalt für Futtermittel geworden ist, konnten wir für diesen Beitrag nicht abschließend klären.
Anders sieht es bei Cannabisprodukten für Menschen aus. Eine Fallserie aus Colorado (USA) beschreibt 125 Hunde, die wegen einer bekannten oder vermuteten Marihuana-Vergiftung in zwei Tierkliniken behandelt wurden. Zwei Hunde, die Backwaren mit THC-haltiger Butter gefressen hatten, starben. Bewahren Sie THC-haltige Produkte deshalb immer sicher verschlossen auf. Hat Ihr Hund etwas davon gefressen, rufen Sie sofort Ihre Tierarztpraxis oder den Notdienst an und sagen Sie offen, was er erwischt hat.
Checkliste: Hanf-Produkte für Hunde einordnen
- ☐ Steht in der Zusammensetzung Hanfsaat, Hanfkuchen oder Hanfsaatöl? Das sind Einzelfuttermittel.
- ☐ Ist von „CBD“, „Cannabidiol“, „Vollspektrum“ oder einem CBD-Gehalt in Prozent die Rede? Dann handelt es sich nicht um reines Hanfsamenöl.
- ☐ Werden Wirkungen wie „gegen Schmerzen“ oder „bei Epilepsie“ versprochen? Futtermittel dürfen keine Krankheitsbehandlung versprechen. Auch Angaben wie „beruhigt“ müssen wissenschaftlich belegt sein.
- ☐ Futterart auf dem Etikett prüfen: Alleinfutter oder Ergänzungsfutter, mit Fütterungsempfehlung
- ☐ Vor jeder Gabe eines Hanf- oder CBD-Produkts die Tierarztpraxis fragen, besonders wenn Ihr Hund Medikamente bekommt
- ☐ THC-haltige Produkte für Menschen sicher verschlossen aufbewahren
Was Alleinfutter und Ergänzungsfutter unterscheidet, lesen Sie in unserem Beitrag Alleinfuttermittel und Ergänzungsfuttermittel. Wie wir Futtermittel bewerten, beschreibt unsere Methodik.
Häufige Fragen
Ist Hanföl gut für Hunde?
Hanfsamenöl ist ein zugelassenes Einzelfuttermittel und kann Teil einer Futterration sein. Eine besondere gesundheitliche Wirkung darf daraus nicht abgeleitet und nicht beworben werden. Ob und in welcher Menge es für Ihren Hund passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.
Ist CBD-Öl für Hunde legal?
Als Futtermittel nach Angaben des LGL nicht, weil CBD-Extrakt kein zugelassener Futtermittelzusatzstoff ist. Als Tierarzneimittel bräuchte ein CBD-Produkt eine Zulassung. Für die rechtliche Prüfung im Einzelfall sind die Überwachungsbehörden zuständig.
Machen Hanfsamen Hunde „high“?
Hanfsamen sind laut LGL von Natur aus cannabinoidfrei; Spuren entstehen nur durch Verunreinigung. Für Futtermittel dürfen nur Sorten mit weniger als 0,2 % THC verwendet werden. Anders ist es bei Cannabisprodukten für Menschen, die gezielt THC enthalten.
Dürfen Katzen Hanf bekommen?
Die rechtliche Einordnung gilt für Katzen genauso. Studien zu CBD bei Katzen haben wir für diesen Beitrag nicht ausgewertet. Fragen Sie vor jeder Gabe Ihre Tierarztpraxis.
Fazit
Hanf für Hunde heißt im Futtermittelrecht vor allem Hanfsamen, Hanfkuchen und Hanfsamenöl aus Nutzhanf. CBD-Extrakt ist nach Angaben des LGL kein zugelassener Futtermittelzusatzstoff, und CBD-Produkte können als zulassungspflichtige Tierarzneimittel gelten. Die Forschung zu CBD bei Hunden steht noch am Anfang. Wenn Ihr Hund Beschwerden hat, ist die Tierarztpraxis die richtige Anlaufstelle. Beim Hanf lohnt nach unserer Einschätzung deshalb der Blick in die Zusammensetzung mehr als der Blick auf das Hanfblatt auf der Packung.
Titelbild: sweetlouise / Pixabay
Quellen
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Cannabidiol in Futtermitteln aus Hanf (Jahresbericht 2022): lgl.bayern.de
- Verordnung (EU) 2022/1104 zur Änderung des Katalogs der Einzelfuttermittel (Nr. 2.22.1–2.22.3, 6.7.1, 6.7.2): data.europa.eu
- Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel (Art. 4): eur-lex.europa.eu
- VG Freiburg, Beschluss vom 24.03.2026, Az. 9 K 5912/25 (Volltext); Fundstelle REWIS RS 2026, 6585: urteile.ai
- EFSA FEEDAP Panel (2011): Scientific Opinion on the safety of hemp (Cannabis genus) for use as animal feed. EFSA Journal 9(3):2011: doi.org
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): FAQ Cannabidiol (CBD): bvl.bund.de
- Agroscope: Hanf als Futtermittel für Tiere (veröffentlicht 25.01.2026): agroscope.admin.ch
- Gamble LJ et al. (2018): Pharmacokinetics, Safety, and Clinical Efficacy of Cannabidiol Treatment in Osteoarthritic Dogs. Front Vet Sci 5:165: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- McGrath S et al. (2019): Randomized blinded controlled clinical trial to assess the effect of oral cannabidiol administration … in dogs with intractable idiopathic epilepsy. JAVMA 254(11):1301–1308: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Vaughn D et al. (2020): Preliminary Investigation of the Safety of Escalating Cannabinoid Doses in Healthy Dogs. Front Vet Sci 7:51: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Barbeau-Grégoire M et al. (2022): Systematic Review and Meta-Analysis of Enriched Therapeutic Diets and Nutraceuticals in Canine and Feline Osteoarthritis. Int J Mol Sci 23(18):10384: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Meola SD et al. (2012): Evaluation of trends in marijuana toxicosis in dogs living in a state with legalized medical marijuana: 125 dogs (2005–2010). J Vet Emerg Crit Care 22(6):690–696: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information, keine Rechtsberatung und ersetzt keine tierärztliche Beratung.
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